Blutjung, treu, ehrlich, Monarchist, gottgläubig, durch die Ungerechtigkeiten
der Besatzungsmacht herausgefordert schwingt er sich zum Führer der
Volksrebellion auf und führt sie – in wenigen Tagen – zum Sieg. Kometenhafter
Aufstieg. Erfolg. Immense Macht. Alle Forderungen erfüllt, vertraglich
besiegelt. Vom Volk als Halbgott verehrt. Doch: sein sehnlichster Wunsch ist es,
an seinen Platz als Fischer zurückzukehren. Die Macht abgeben. Das ist unerhört.
Weder das Volk noch der Adel lassen es zu. Er muß seine Rolle weiterspielen.
Doch mit welchem Ziel? Die Volksherrschaft steht längst noch nicht auf der
Tagesordnung der Geschichte. Also frißt die Rebellion ihre Kinder – gegen
Masaniellos Willen. Radikale Phase der Revolte. Flucht nach vorne.
Ver-rücktheit. Er steht an einer Stelle, an der er nicht stehen will, wird in
den „Wahn-Sinn“ getrieben:
seine Gerechtigkeit wird immer gerechter
die
Strafen immer härter
das Blut immer röter
die Rache immer süßer
die Freunde immer untreuer
die Verschwörer immer verschworener
das
Gift immer giftiger
kein Weg führt mehr zurück.
Geschildert wird die Geschichte Masaniellos aus dem einen Augenblick heraus,
wo sich sein kometenhafter Aufstieg und sein abgrundtiefer, notwendiger Fall
treffen, auf dem Gipfel seiner Macht. Umschlagpunkt. Wendepunkt. Nicht
subjektiv-willkürlich, sondern historisch-notwendig, von Volk und Adel
herbeigeführt. Plötzlicher Umschlag, scheinbar unerklärlich, deshalb mit der
Etikette „Wahnsinn“ belegt. Masaniello, der Wütende, der Rasende, der Irrsinige,
der Wahnsinnige. Dabei haben ihn die anderen – selbst wahnsinnig – dorthin
getrieben. Sie meucheln ihn hinterrücks.
Es wird versucht, das Gigantische dieser Situation aus dem kurzen
Umschlagpunkt heraus zu erzählen, aus dem Bewußtsein und Unterbewußtsein
Masaniellos heraus, ein Fluß von Gedanken, Gefühlen, Beobachtungen. Herrschen
und Leiden, das Aufeinanderprallen der Widersprüche, die Blindheit des Volkes,
die Ohnmächtigkeit des „Helden“, die Verschlagenheit der Mächtigen. Dargestellt
in einem einzigen Augenblick, sprachlich ein wilder, „wahn-sinniger“ monologue
interieur.